Dienstag, 2. März 2010
(Sächsische Zeitung)
Der Mann, der Heidenau zu einer Hochburg des Faustballs machte
Von Heike Sabel
Bei Bernd Martin geht es immer vorwärts. Er hat die Liebe und das Engagement für den Faustball von seinem Vater übernommen und ist nun dabei, sie an den Sohn weiterzugeben. Foto: Marko Förster
Einen Ehrenamtspreis haben viele verdient, aber nur wenige bekommen ihn. Bernd Martin ist einer von denen, die ihn verdient haben und auch erhalten. Und zwar heute Abend zum Beginn der Einwohnerversammlung. Dabei wäre das mit dem Preis fast schief gegangen.
Denn nachdem der 70-Jährige aus der Zeitung von seiner Ehre erfahren hatte und ihm der Bürgermeister zum Neujahrslauf schon gratulierte, hörte Bernd Martin nichts mehr aus dem Rathaus. Die Einladung für heute Abend erhielt er erst am Freitag. Deshalb war Martin bis zuletzt vorsichtig. „Vielleicht überlegen die es sich noch anders, oder es war ein Irrtum“, unkte er. Schließlich legt er sich gern mal mit anderen an. Er bezeichnet sich als kritischen und streitbaren Menschen – „um etwas voran zu bringen“, sagt er.
Dabei musste er erst kürzlich eine Niederlage einstecken. Seine Männer verpassten den Aufstieg in die zweite Bundesliga. „Sie hätten es packen müssen, das ist ein ziemlich herber Schlag, aber Menschen sind eben keine Maschinen.“
Faustball ist salopp gesagt eine Mischung aus Hand- und Volleyball. Es gibt zwar keine Tore, und der Ball darf auch unter der Leine durch und einmal aufkommen. Dafür darf der Ball mit dem gesamten Arm von der Faust bis zur Schulter angenommen werden und muss mit Finesse und so scharf wie möglich ins gegnerische Feld geschossen werden. So weit die Martinsche Theorie. „Es ist ein sehr attraktiver Sport, wenn man ihn beherrscht“, sagt der, der ihn beherrscht.
Ein Preis auch für seine Frau
Am Anfang, als sein Vater noch spielte, wurden die Faustballer belächelt, es war eben weder Handball noch Volleyball und gleich kein Fußball. Doch durch Leistung haben sie sich Respekt verschafft. Martin spielte in der DDR mit seinen Männern in der Oberliga. Dennoch sind 100 Zuschauer heute schon viel. Martin ist immer in der Halle dabei, spielt noch selbst, aber nicht mehr so viel. „Der Schreibkram“, sagt er und zeigt erst entschuldigend auf seinen Bauch und dann in sein Arbeitszimmer. Da stapelt sich auf Tisch, Sofa und Fußboden Papier. Martin ist unter anderem auch Faustball-Landesfachwirt.
Das Telefon klingelt. Der Landessportbund wegen der Seniorensportspiele. Seine Frau Renate bringt das Telefon. „Ohne sie, oh je, wäre das alles undenkbar“, sagt Martin. Sie sorgt beim Sport für die Verpflegung, organisiert den Wanderverein und die Sportgruppe, hilft dem Sohn und heute Abend hat sie wieder Kinderdienst für die Enkel. Oft sind sie nur abwechselnd zu Hause. „Das ist eben Ehrenamt“, sagt er. Wenn es nicht so wäre, wären es nicht die Martins.
Voller neuer Ideen
Martin hat noch viel vor. Die Faustballer zum Beispiel müssten sich besser verkaufen. Musik, Stimmung und ein Moderator wie beim Hand- oder Volleyball. Doch bis das in Heidenau der Fall ist, dauert es noch Jahre, sagt Martin. „Aber man braucht Visionen.“ Deshalb will er nächstes Jahr auch den rührigen SSV-Chef Frank Müller für den Preis vorschlagen. Wieso das noch niemand getan hat, fragt er sich.